Seit etwa zwei Wochen sieht man sie immer mal wieder über die Bahnhofstraße huschen: zwei seltsame Gestalten mit Augenklappen, Kopftüchern und großen orangefarbenen Bannern.

Was als Spaß gemeint ist, trifft auf großes Interesse. Schließlich ist man in Gelsenkirchen eher blau-weiße Flaggen im Stadtbild gewohnt. Immer wieder werden die beiden angesprochen.
“Erklären Sie mir in fünf Sätzen, wofür die Piratenpartei steht!” fordert eine Passantin. Dem Wunsch wird entsprochen. Mit dem Verweis auf die ausufernde staatliche Überwachung charakterisieren die Piraten sich selbst als Bürgerrechtsbewegung, die sich gegen die Aushöhlung der Freiheitsrechte stellt. In Schlagworten dann noch die wichtigen Themen “staatliche Transparenz”, “freie Bildung und freies Wissen”, “Basisdemokratie”.
Dann die Herausforderung: Piratenthemen kindgerecht auf den Punkt bringen. Ein junger Vater möchte, dass die Piraten seinem Sohn erklären, warum sie Herrn Schäuble nicht mögen. Der Pirat erläutert, dass Schäubles Politik darin besteht, vor vermeintlichen Gefahren zu warnen und Angst zu machen. Dass aber Angst vor allem lähmt, versteht auch ein Kind.
Und immer wieder ist im Vorbeigehen Zustimmung zu vernehmen. Manche laufen ein paar Meter mit, andere signalisieren, dass sie schon bei der Europawahl ihr Kreuz bei den Piraten gemacht haben.
“Wir freuen uns, dass wir wahrgenommen werden”, sagen die beiden Einäugigen. “Laut Umfragen hat die Hälfte der Bürger noch gar nichts von uns gehört, weiß also nicht, dass sie eine echte Alternative zur derzeitigen Politik hat.”
Natürlich gibt es auch die anderen. Diejenigen, die sagen, sie hätten mit dem Internet nichts zu tun. Oder die bemängeln, dass wir den Regenwald nicht schützen. Diskussionen dazu wollen wir hier nicht führen. Wer eine Meinung hat, darf sie selbstverständlich auch vertreten. Und wer mit der Großen Koalition einverstanden ist, soll sie ruhig weiterhin stützen.